Eberhard Brügel, Fred Rolf, Hans MaierhoferAuf einer Linie

Ausstellung „Auf einer Linie“ im kunsthaus St. Märgen
Bis zum 28.2.2016 präsentiert das kunsthaus St. Märgen die Ausstellung „Auf einer Linie“. Es handelt sich um Radierungen von Prof. Eberhard Brügel aus Freiburg, Kalligrafien von Johann Maierhofer aus Regensburg und Öl-/Aquarellmalerei vom Künstler und Architekten Fred Rolf aus Freiburg.
Bei allen drei Künstlern steht die Linie im Mittelpunkt, die als ein Werkzeug dient, um Fläche und Raum zu definieren. Jeder Punkt und jede Linie haben Breite und Höhe, besitzen eine räumliche Ausdehnung und werden durch Zeit und Raum bestimmt und begrenzt. Durch den Umgang mit verschiedenen Intensitätsstufen und Dichten der Linien wird in den Kunstwerken das Licht im Raum dargestellt.
Eberhard Brügel –Linienätzung /Radierung
Eberhard Brügel wurde 1940 in Nürnberg geboren und studierte Kunst an den Staatlichen Hochschulen für bildende Künste in Stuttgart, Berlin und München. Seine künstlerische Laufbahn ist durch langjährige Lehrtätigkeit als Professor an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg und zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen im In- und Ausland geprägt. Der Künstler lebt und arbeitet in Freiburg, in seinem Atelier im E-Werk.
Im Rahmen der Ausstellung „Auf einer Linie“ im kunsthaus St. Märgen, präsentiert Eberhard Brügel seine Radierungen, die in der Zeit zwischen Mitte der 70-er Jahre und dem Jahr 2002 entstanden sind. In dieser Zeit hat sich der Künstler hauptsächlich mit der Zeichnung, der Radierung und mit dem Holzschnitt befasst. Schwerpunkt war die Radierung, die anfangs durch realistische Pflanzen- und Steinformen inspiriert wurde. So kann man in den Radierungen der 70-er und 80-er Jahre, den Bezug des Künstlers zur Natur und organischen Formen deutlich erkennen.
In den 90-er Jahren, kam neben der zunehmenden Abstraktion der organischen Formen auch die Kombination mit technischen Elementen immer mehr zur Geltung. Organische Elemente wurden mit dem Verfahren der Linienätzung plastisch dargestellt, technische flächenhaft und geometrisch wie auf technischen Zeichnungen, ausschließlich mit der Kaltnadel ausgearbeitet.
Hinter diesen Hybridformen stand die ideale Vorstellung von einer harmonischen Verbindung von Natur und Technik. Schließlich gab der Künstler den Objektcharakter der Darstellungen auf und verzichtete völlig auf einen Gegenstand bzw. auf ein an Landschaften erinnerndes Motiv. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Inhalte allein das Licht und der Raum.
Erstaunt, wie wenig Licht sich gegenüber der Dunkelheit behaupten kann, experimentiert Eberhard Brügel mit Weiß und Schwarz. Das Schwarz der Radierung besitzt eine Tiefe, so dass an den Übergangen zum Weiß eine interessante räumliche Wirkung entsteht. Bei einer der letzten Radierungen wurde selbst das Weiß durch eine graue Fläche ersetzt.
Eberhard Brügel verwendete die Linienätzung, um kontinuierliche Übergänge zu erzielen. Damit ein sattes Schwarz erreicht werden kann, ätzte er nicht nur mit unterschiedlichen Zeiten, sondern legte auch mehrmals einen neuen Wachsgrund auf, der in mehreren Stufen geätzt wurde. Dadurch erhielt die Radierplatte eine raue Oberfläche, die kaum noch weiße Reste besaß. So konnte durchgängig ein tiefes Schwarz wie eine lang geätzte Aquatinta, wenngleich mit einer anderer Struktur, erzielt werden. Diese Fläche wischte er dann sorgfältig mit Gaze und bei den helleren Stellen auch mit dem Handballen über.

Johann Maierhofer – Kalligrafie
Neben seinen künstlerischen Kalligrafie Arbeiten, die im kunsthaus St. Märgen zur Zeit besichtigt werden können, schreibt und veröffentlicht Johann Maierhofer eigene Texte und Bücher und führt Lesungen durch. Mit dem bayerischen Liedernomaden Fredman hält er lustige, launige und manchmal auch nachdenkliche Lesungen und an der gms-Akademie erteilt er ein besonderes Coaching, das neben Rhetorik auch die Künste einer perfekten Unterschrift für Nachwuchsführungskräfte schult.
Seit mehr als 18 Jahren hat sich Johann Maierhofer der Kalligrafie verschrieben. Erst hat er autodidaktisch gearbeitet, später bei Prof. Dr. Werner Eikel, der damals den einzigen Lehrstuhl für Kalligrafie in ganz Deutschland an der Akademie Schwerte hatte, Kurse besucht. Anschließend hat er sich an der Universität von Regensburg in der Farblehre, in der Kunst des Zeichnens und im plastischen Gestalten weitergebildet und die Berufung zum Beruf gemacht.
Johann Maierhofer belebt mitten im Herzen der Regensburger Altstadt sein Kalligrafie Atelier. Und „Beleben“ ist genau das richtige Synonym für seine Arbeit mit den Buchstaben. Das Wort Kalligrafie kommt aus dem Griechischen. „Kalos“ bedeutet gut, wertvoll, zufrieden und glücklich. „Graphein“ beschreibt den Zustand von „hineingraben“. Kalligrafie ist aber auch Bewegung mit Körper und Geist. Der Geist führt, der Körper folgt. Dabei ist jeder Buchstabe von einer eigenen Dynamik geprägt. Druck und Geschwindigkeit variieren. „Für mich ist Kalligrafie auch Achtsamkeitsübung und dient der Persönlichkeitsbildung“, sagt der Regensburger Künstler. „Die Menschen kommen in meine Kurse, um zu lernen, wie man mit Druck und Loslassen, mit Nähe und Distanz und mit Schnelligkeit und Langsamkeit umgehen kann.“
Heute erstrecken sich seine kalligrafischen Auftragsarbeiten von den Geburtstagskarten und Logos bis hin zur Ehrenbürgerurkunde für Papst Benedikt. Zudem hält er europaweit Kurse und veranstaltet regelmäßig Ausstellungen, wie z. B. an der Akademie der Bildenden Künste in St. Petersburg, dem Schriftmuseum in Pettenbach/Österreich und im kunsthaus St. Märgen.
Am 17.1.2016 leitet er im kunsthaus St. Märgen zum Thema „Schmuckbuchstaben“ ein Kalligrafie Seminar für Anfänger und Geübte. Aber, der Künstler betont es, „Kalligrafie ist sichtbar mehr als nur das Schreiben schöner Buchstaben. Mit dem Schreiben entwickelt man sich weiter.“
Fred Rolf- Öl-/Aquarellmalerei
Linien – Fred Rolf nennt sie Streifen – waren neben der Farbfeldmalerei ein ihn ständig herausforderndes und aus langjähriger Arbeit als Architekt erwachsenes Thema. Das erste veröffentlichte Bild entstand 1998 nach einigen Jahren der Auseinandersetzung mit Farbenkunde. Es ist ein Streifenbild auf einem vorgegebenen Holzbrett aus der Baubranche.
Durch seine eigene Kunstsammlung begegnete Fred Rolf Künstlern, mit denen er deren Schaffen vor allem im Hinblick auf die verwendeten Materialien diskutierte. Ihm war jedoch von Anfang an klar, dass er nur mit Ölfarbe arbeiten würde – zunächst verdünnt, später dann direkt aus der Tube.
So haben sich über die Jahre Phasen mit unterschiedlichen Arbeitsweisen ergeben, die seine malerische Entwicklung kennzeichnen. Auf verschiedenen Untergründen – anfangs Papier, dann Holz, Spanplatten, Stahlplatten oder auch Fundstücke – brachte Fred Rolf eine große Vielfalt bei ähnlicher Struktur hervor. Auch Spachtelarbeiten auf Leinwand oder Holzplatten entwickelte er bis in die Gegenwart weiter.
Die schon früh begonnene Auseinandersetzung mit Farbfeldern führte zum „Farbhaus“ mit drei Farbfeldern. In immer gleicher Größe und in vielen Farbschichten mit kräftigen Rändern sehr pastos übereinander aufgetragen erzeugen sie eine reliefartige Wirkung. Diesen eindimensionalen Farbhäusern folgten dreidimensionale Häuser aus massivem Holz: 43 cm hoch mit jetzt sechs Farbfeldern. Auch diese Farbfelder sind teilweise mit bis zu zehn Farbschichten erarbeitet. Lange Trocknungszeiten zwischen den einzelnen Farbaufträgen sorgen für ein stimmiges Zusammenspiel der Farben.
Die Farbstreifenbilder entstanden aus einem eigenwilligen Zusammenspiel von subjektiven Landschaftswahrnehmungen einerseits und künstlerischer Abstraktion andererseits. Linienstrukturen, wie sie bei einer schnellen Fahrt durch eine Landschaft am Auge vorbeirauschen oder am Meer von Licht, Wellen, Wind und Sand natürlich geschaffen werden, gingen in diese Streifenbilder ein.
2006 begann Fred Rolf mit horizontalen Strukturen und pastosen Pinselstrichen zu experimentieren. Unterschiedlich breite und lange und farblich abgestimmte Trennstreifen wurden eingefügt. Wiederum auf Holz oder Leinwand entstanden so nass in nass gemalte Arbeiten in Ölfarbe.
Eine Reise an die Ostsee inspirierte Fred Rolf, wahrgenommene Strukturen z.B. in und an Bauwerken in Farbstreifenbilder ohne unmittelbar sichtbaren konkreten Bezug zum Ursprung mit horizontalen Linien in geringem Abstand umzusetzen.
Gleichzeitig aber experimentiert Fred Rolf mit kleineren Leinwandformaten in der Größe von 22 x 22 cm, die auf Karton geklebt und hinter Glas gerahmt werden. Seine „Entdeckung“ der Aquarellfarbe, die nun in beiden Formaten eingesetzt wird, gehört hierher. Nicht so sehr die äußere Form ist hier wichtig, sondern der Farbwechsel von Öl- und Aquarellfarbe und die dadurch entstehende Spannung zwischen hellen und dunklen, zwischen vor- und zurücktretenden Abschnitten. So wird jegliche Statik überwunden. Die Struktur wird dynamisch und beginnt im Auge des Betrachters zu vibrieren. Wenn dann die Aquarellfarben im Hintergrund figürliche Assoziationen hervorlocken, erscheint ein Bild hinter dem Bild. Der Bildraum öffnet sich und eine mehrschichte Transparenz tritt hervor.
Doch: Was ist so faszinierend an einer sich wiederholenden Linie, so dass sich jemand wie Fred Rolf beharrlich und über Jahre von ihr herausfordern lässt? Viele große Künstler – z.B. Agnes Martin – haben sich dieser Faszination überlassen.
Vielleicht ist dies der Kern: Das Urelement jeglicher Gestalt ist der Strich, die Linie. Sie ermöglicht eine unendliche Vielfalt von Symmetrie und Asymmetrie, von Wiederholung und Einzigkeit. Und aus dem Zusammenspiel mit der Farbe kann eine fast meditative Stimmung entstehen, in der sich ein Betrachter selbst begegnen kann.
Die Ausstellung „Auf einer Linie“ kann im kunsthaus St. Märgen bis einschl. 28.2.2016, jeweils sonntags 13-17 Uhr besucht werden.
kunsthaus, Rathausplatz 2, links vom Klostertor, 79274 St. Märgen,
Tel. 07669-939001, mail@kunsthaus.info, www.kunsthaus.info


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